April 8, 2008

SAMMELN UND KLAGEN – AUF ZUM KREATIVEN GEGENSCHLAG!

Filed under: SAMMELN UND KLAGEN — marc @ 2:09 pm

SAMMELN UND KLAGEN – AUF ZUM KREATIVEN GEGENSCHLAG! 

An ALLE Wettbewerbsteilnehmer der Berliner Imagekampagne - jeder kann/ sollte mitmachen! 

WAS BISHER WAR 

300 Kreative haben sich über das Image der Hauptstadt Gedanken gemacht. Wettbewerbsvorbereitung kostet Zeit. Unbezahlte Zeit. Die nimmt man sich. Nicht weil man den Berliner Senat so liebt, sondern weil das in diesem Fall die Wettbewerbsausschreibung so vorsieht. Die Absagen, die ab 15. November 2007 erteilt werden, sind noch nicht weiter verwunderlich. Erst, als die Mitmachpostkarte der neuen Kampagne (die übrigens 10,6 Millionen Euro Steuergelder verschlingt) unter dem Motto „BE BERLIN” jeden Einwohner der Stadt zur kreativen Spende bittet, kommen einige Teilnehmer ins Grübeln. Viele erkennen Details oder sogar den ganzen Slogan ihrer abgelehnten Vorschläge wieder. Durch das Engagement von Patrick Breitenbach (www.werbeblogger.de) sowie die Freelance Grafiker Andrea Horn und Marc Arroyo, mit Justberlin (die den Stein mit ihrem Blog ins Rollen gebracht hat www.justberlin.co.nr/) und Highlifes tauscht man sich gegenseitig aus. Das Ergebnis dieses Austausches lässt sich vorläufig wie folgt zusammenfassen: 

DIE JURY UND IHRE MÄNGEL

1. Es stellt sich heraus, dass Jochen Pläcking, Gigant der deutschen Werbelandschaft und Jurymitglied, die Vorauswahl für die nächste Qualifizierungsrunde – allein – getroffen hat. Herr Pläcking sitzt aber nicht nur zufällig im Aufsichtsrat einer jener Agenturen, die den Wettbewerb gewinnen. Er ist geschäftlich mit zwei weiteren Siegeragenturen eng verbunden.Details hierzu in folgendem Blogbeitrag: www.werbeblogger.de/2008/03/18/cui-bono-be-berlin/

2. Einige Wettbewerbsteilnehmer, deren Entwürfe zu einem guten Teil hohe Deckungsgleichheit mit der jetzigen Kampagne aufweisen, werden nicht einmal in die Qualifikationsendrunde zur Erarbeitung der BE-BERLIN-Kampagne eingeladen (obwohl dies in der Ausschreibung des Wettbewerbs ausdrücklich angekündigt war). Hingegen dürfen “bevorzugte Agenturen” nachpräsentieren. 

3. Highlifes reserviert und betreibt die Domain www.beberlin.de bereits seit März 2007. Den gleichnamigen Sloganvorschlag „be berlin” lehnt die Jury aus formalen Gründen ab. (Die Domain will der Berliner Senat Highlifes dagegen ganz gerne abkaufen, was bisher -wie man an dieser Seite sehen kann – nicht geschehen ist) 

4. Die Freelance Grafiker Andrea Horn und Marc Arroyo (Justberlin) sichtet die Wettbewerbseingänge mit den Anwälten Conrad & Najberg. Dabei werden diverse Formfehler offensichtlich, die den Verdacht auf ein mangelhaftes Vergabeverfahren erhärten. 5. Keine der abgelehnten Arbeiten wurde bisher – wie in anderen Wettbewerben üblich – veröffentlicht. 

WAS NEU IST 

8 Kreative aus 4 verschiedenen Unternehmen arbeiten nun daran, den Vergabeprozess der Stadt Berlin gerichtlich überprüfen zu lassen. Die geschieht in Form einer Sammelklage. 

UNSERE CHANCE

Was tagtäglich in Deutschland geschieht jedoch nicht aufgedeckt wird kann nun durch glückliche Umstände der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Hätten wir nicht den Pressesupport, den Support der Branche sehr gute Recherche sowie zwei bereits reservierte Domains gehabt, wären auch diese 10,6 Millionen Euro an Steuergeldern in bestens verbundenen und abgesprochenen Seilschaften unter dem Tisch verschwunden. Diese Chance und die aktuellen Ungereimtheiten müssen wir beim Schopfe fassen um zu zeigen, dass es auch anders geht! 

WER SICH ANSCHLIESSEN KANN 

Da es uns um das reine Vergabeverfahren geht, können sich ALLE KREATIVEN, deren eingereichte Beiträge ABGELEHNT wurden, an dieser Klage beteiligen, um eventuelle Schadenersatzansprüche geltend zu machen. Wichtiger jedoch, ein Zeichen der kreativen Branche zu setzen!

WARUM DAS SINN MACHT

Den meisten von uns geht es ums Recht. Wir möchten nicht nur der Vetternwirtschaft, die in der Kreativbranche wie in vielen anderen Bereichen Einzug gehalten hat, entgegentreten. Wir möchten auch zeigen, dass man sich dagegen wehren kann. Je mehr sich uns anschließen, desto offensichtlicher wird das Bewusstsein, dass die Kreativen von Berlin (auf die die Stadt ja angeblich so stolz ist) sich nicht alles Gefallen lassen. Ideengeber und Konzepter werden durch solche unlauteren Vergabeverfahren am stärksten geschädigt. Wir empfinden das mangelhafte Wettbewerbsverfahren von „be berlin” gerade in dieser Hinsicht als symbolisch. Insbesondere, da der ausschreibende Träger eine öffentliche Institution ist. Übrigens: Niemand hat die Stadt gezwungen, eine solche Ausschreibung vorzunehmen. Wenn dies dennoch geschieht, sollte man wenigstens ein neutrales, faires Verfahren gewährleisten. 

RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN 

Bei einer Sammelklage kann jeder auch mit einem geringen finanziellen Risiko um sein Recht kämpfen. Der Streitwert kann mit einem symbolischen Euro beziffert werden, ebenso ist es möglich, den angemessenen Arbeitsaufwand einzureichen. Das ist jedem beteiligten Kläger selbst überlassen. Konkretere Informationen geben wir Euch gerne unter: info@justberlin.net

Wir können verstehen, dass alle Teilnehmer nach der Absage mit dem Thema abgeschlossen haben. Genau auf diesen Zeitfaktor setzt auch der Berliner Senat und alle Beteiligten, die daran Interesse haben, dass möglichst schnell Gras über die Sache wächst. Aber es kann nicht sein, dass eine öffentliche Ausschreibung unter den Augen der gesamten Kreativen Community mit so viel Dilettantismus und dreister Ignoranz abläuft. Danke in diesem Zusammenhang an Maximilian T. Conrad und Christoph Najberg von der Kanzlei Conrad & Najberg (www.cessiolegis.de), dass sie uns bei all dem juristisch unterstützen.